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Meine lieben Brüder,
als ich diesen Trinkspruch auf die Familie vorbereitete, suchte ich zunächst nach einem einfachen Bild. Ich dachte an ein Band, etwas, das uns hält, verbindet und trägt. Ein Band, das nicht immer sichtbar ist, aber doch da ist und das Pflege braucht, damit es nicht spröde wird oder reißt.
Das Bild war mir aber noch zu einfach.
Da fiel mir ein Gedanke über zwei brennende Kerzen, die einander Licht geben, aber
einander nicht zu nahekommen sollen. Für viele menschliche Beziehungen ist das ein
gutes Bild. Bei der Familie ist es, finde ich, etwas anders. In sie werden wir hineingeboren. Wir sind von Anfang an Teil eines Ganzen, das uns verbindet. Als Kinder empfangen wir Wärme, Halt und Orientierung. Später geben wir als Eltern oder
Bezugspersonen etwas davon weiter. Das geschieht nicht immer ohne Reibung oder
Mühe aber gerade daraus kann auch Entwicklung entstehen.

Familie hat viel mit Annahme zu tun, ähnlich wie in unserem Bund.

Angenommen sein, getragen werden und doch frei
bleiben dürfen. Das gilt auch für den Lebenspartner, der nicht durch Geburt, sondern durch Liebe, Vertrauen und Entscheidung Teil dieser Verbundenheit wird.
Gerade im engen Miteinander hilft uns der Andere, den eigenen Winkel immer wieder neu auszurichten. Manchmal müssen wir ihn ein Stück drehen, um die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Und oft bringt uns gerade dieser andere Blick weiter.
Vielleicht ist es wie bei Winkelmaß und Zirkel.
Sie sind verschieden, doch im guten Zusammenspiel entstehen Maß, Richtung und Harmonie.
Darum trinken wir heute auf die Familie, auf die Menschen, die uns tragen, fordern, wärmen und begleiten. Wir trinken auf die Sorge füreinander, auf Geduld miteinander und auf eine
Harmonie, die nicht starr ist, sondern immer wieder neu gepflegt und ausgerichtet werden will.
Und für die Brüder, die ihre Ergänzung noch suchen.
Möge sich zur rechten Zeit das passende Gegenüber finden.