Logo - Leo Müffelmann zur TreueMenü

Von Bruder Oliver

Über Selbstverbesserung und die Einübung einer Lebensethik

Wir leben in einer Zeit des äußeren Wandels. Technologie, Gesellschaft, Tempo und Anforderungen nehmen zu. Doch inmitten all dessen bleibt eine Frage immer gleich:

Wer bin ich?

Und was folgt daraus für mein Leben?

Diese Frage ist uralt – sie stand einst am Eingang des Apollotempels in Delphi:

„Gnothi seauton“ – Erkenne dich selbst.

Dieser kurze Satz ist vielleicht einer der tiefsten und zugleich herausforderndsten Leitsprüche der Menschheit.

Heute möchte ich kurz über die Bedeutung dieser Selbsterkenntnis sprechen und über die damit verbundene Selbstverbesserung, die Einübung einer Lebensethik, die auf Freiheit, Verantwortung und Menschlichkeit beruht.

„Erkenne dich selbst“,

das ist kein Aufruf zur Eitelkeit oder Selbstbespiegelung. Es ist eine Einladung zur ehrlichen Innenschau.

Wer sich selbst erkennen will, muss den Mut aufbringen, sich mit seinen Schattenseiten auseinanderzusetzen. Dazu gehören Schwächen, Ängste und Eitelkeiten. Aber auch mit seinen Möglichkeiten, seinen Werten, seinen inneren Potenzialen muss sich dieser Menschbeschäftigen. Es ist ein Weg der Wahrheit, sicher nicht immer angenehm, aber befreiend.

Denn wer sich nicht selbst kennt, wird gelebt von Erwartungen, Konventionen, äußeren Maßstäben. Nur Selbsterkenntnis macht uns wirklich frei.⸻

Aus Selbsterkenntnis erwächst die Bereitschaft zur Selbstverbesserung. Das bedeutet nicht, ein perfekter Mensch sein zu wollen, das wäre vermessen. Sondern ein bewussterer Mensch.

Ein Mensch, der an sich arbeitet. Im Denken, im Fühlen, im Handeln. Dein Mensch, der sich fragt:


• Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um?
• Was motiviert mich wirklich?
• Wie ehrlich bin ich zu mir selbst?

Selbstverbesserung ist kein Ziel, sondern ein Prozess. Ein Weg. Und auf diesem Weg sind Geduld, Ausdauer und nicht zuletzt Humor mit sich selbst gefragt.

Wahre Selbsterkenntnis bleibt nicht im Inneren. Sie wirkt nach außen – in Form einer Lebensethik. Diese Ethik ist nicht etwas, das man einmal festlegt und dann besitzt. Sie will eingeübt werden – im Alltag, in Entscheidungen, in Beziehungen.

Es geht um Fragen wie:
• Handle ich gerecht?
• Bin ich loyal – mir selbst und anderen gegenüber?
• Lebe ich achtsam und verantwortungsvoll?
• Bin ich bereit, dazuzulernen, meine Positionen zu überdenken?

Lebensethik bedeutet Haltung, eine innere Ausrichtung, die nicht von außen diktiert ist, sondern aus dem erkannten Selbst erwächst.

Ein schönes Bild stammt aus der freimaurerischen Tradition. Der Mensch als unbehauener Stein, der im Laufe seines Lebens behauen wird. Das geschieht durch Erfahrung, durch Reflexion, durch den Willen zur Verbesserung.

Wir sind nicht fertige Wesen. Aber wir sind gestaltbar. Jeder Mensch trägt in sich das Potenzial zur Größe, nicht nur im äußeren Glanz, sondern in der Klarheit des Geistes, der Reinheit des Herzens und der Würde des Handelns.

„Erkenne dich selbst“

Das ist kein abgeschlossenes Kapitel. Es ist eine lebenslange Aufgabe.
Wer sich darauf einlässt, betritt einen Weg zu mehr Bewusstsein, mehr Menschlichkeit, mehr Sinn.

Dieser Weg ist nicht leicht. Aber er lohnt sich. Denn am Ende dieses Weges steht vielleicht kein fertiges Ich , aber ein echtes. Ein Mensch, der nicht nur lebt, sondern verantwortlich lebt. Und das ist vielleicht das höchste Ziel, das wir uns setzen können.